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Monday, 2. February 2004

Call for papers sinn-haft nr. 18

die woerter und die dinge

Theoretisches Sprechen ist persönliches Sprechen. Du bist kein anonymes Erkenntnissubjekt und ich auch nicht. Angestellten von Truthmaking Inc. wird das Sprechen über ihre situativen Denkanlässe, ephemeren Selbstwahrnehmungen und intimen Erfahrungen im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit jedoch immer noch eher selten gestattet.

Subjektiv, privatistisch und partikularistisch lauten die Vorwürfe, bis zum Arbeitsverbot können sie führen. Nicht nur Mobbing lauert, auf Dauer kommen die ganz normalen, institutionell vorgebahnten akademischen Ausschlussmechanismen zum Tragen. Die Empfindungsgenauigkeit, unser genuines Erfahrungssubstrat und unsere individuell-motivierende Erlebnisweise werden deshalb vorsorglich überformt von Theorie-Architekturen, ängstlich auf Widerspruchsfreiheit hin zugegipst - und das innerhalb einer massenmedialen Tektonik, die Privates, Intimes und Nebensächliches bombastisch inszeniert und bis in die hintersten Ecken grell ausleuchtet.

Sicher, Genieglaube und Betroffenheitsfreudigkeit sorgen dafür, dass die persönliche Inszenierung als wissenschaftliche Inszenierung ihren Marktwert hat. Doch wie ist der Versuch zu denken, persönliches Sprechen mit Präzision zu verbinden? Eben jene, diese, unsere Empfindungsgenauigkeit sprechen zu lassen?

Erzählen wir also von unseren Theorien, von uns selbst, von unseren Selbsttheoretisierungen. Die sinn-haft lädt ein zu einem methodologischen Selbstversuch: Eine Versprachlichung unseres Denkens auszuprobieren, die sowohl thetisch argumentiert als auch die persönlichen Entstehungszusammenhänge des Argumentierens situativ erzählt. Die unsere Erfahrung transzendierendes Denken erzählerisch einbettet in die Immanenz unseres je individuellen Lebenszusammenhangs.

Das wollen wir proben: Persönliches Theoretisieren, im Bewusstsein der außerpersönlichen Situiertheit jeder Erfahrung und jenseits der larmoyanten Selbstinszenierung. Eine erweiterte Form von Quellenkritik. Das Selbst als Quelle der Motivation, wissenschaftlich zu arbeiten. Als Begleiter, Träger, als Störfaktor und Produkt.

Wie wäre es, eine direkte Begriffs- und Theoriearbeit zu ergänzen um die Erzählung der persönlichen Denk- und Forschungssituation? Theorie Erzählungen, die unsere Anlässe des Denkens und Untersuchens miterzählen, selbstkritisch und tastend. Unsere Neigungen und Aversionen, Denkgefühle und Theorieahnungen, Sackgassen und fehlgeleitete Euphorien unser Involviertsein, unser Unverständnis.

Und vielleicht auch dies: unseren Umgang mit der Zensur im Kopf, die uns dazu antreibt, stets auf der Seite der Erfolgreichen zu bleiben.

Die Phänomene bleiben unbeherrschbar, in, um uns. Und dennoch versuchen wir sie und uns sprachlich zu formulieren. Zu formen.

Be brave - be personal!

sinn-haft.at

Damit sinn-haft nr. 18 formbar wird: Bitte übersenden Sie / übersendet möglichst bald aber spätestens bis 15.4.2004 einen Themenvorschlag und die geschätzte Länge des Beitrages an: schulze@udk-berlin.de oder redaktion@sinn-haft.at. Redaktionsschluss ist der 15. Juni 2004, erscheinen soll die sinn-haft im September 2004.

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Schreibpraxen: wie verbinde ich das private mit dem öffentlichen?

Dieser Call for Papers kam heute in meine Mailbox.

Call for paper sinn-haft Nr.18

Theorie Erzählungen TM

Persönliches Sprechen vom eigenen Denken

Theoretisches Sprechen ist persönliches Sprechen. Du bist kein anonymes Erkenntnissubjekt und ich auch nicht. Angestellten von Truthmaking Inc. wird das Sprechen über ihre situativen Denkanlässe, ephemeren Selbstwahrnehmungen und intimen Erfahrungen im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit jedoch immer noch eher selten gestattet. [mehr]

Das ist ein Thema, das mich in letzer Zeit sehr beschäftigt, zwar nicht was Theorie angeht, sondern grundsätzlich beim Schreiben über Medienkultur. Gerade gestern habe ich arglose Zuhörer stundenlang damit gelangweilt.

Das meiste was passiert sind so glatte Faktenansammlungen, in dem das persönliche, anschauliche auf der Strecke bleibt. Journalisten haben zwar alle gelernt, dass sie mit einem szenischen Einstieg anfangen sollen, aber meist bleibt es glatt und beispielhaft. Gerade Medien, elektronische Kultur sollte doch, da sie rings um einen ist, auch in eine adäquate Sprache gefasst werden. Technik ist ja nichts unpersönliches, außerhalb von einem stehendes, sondern eng mit dem alltäglichen Leben verbunden. Dieses Leben kommt aber in den Texten nur in sehr kleinen Dosen vor.

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media art circus, die 598.

als ich gestern betrunken aus dem club transmediale nach hause wankte, hatte ich alle möglichen ideen, was ich schreiben wollte. jetzt fällt mir nix mehr ein. die mediencrowd fällt jedes jahr in die stadt ein und wir, die wir immer hier sind, werden vom hauch der weiten welt umweht. da reisen die von new york nach sofia in einem atemzug und unsereins ist immer in kreuzberg. ansonsten muss man immer mit leuten reden, die man eigentlich nicht kennt und die sich sofort zu jemand anderem umdrehen, wenn man was unpassendes sagt. aber gestern war nett mit tapio, dem finnischen ISEA kurator, im club. nett war dass wir nicht nur über die arbeit geredet haben, sondern über das was wir uns so vorstellen mit unserem leben zu machen, was wir früher uns vorgestellt haben, und wie sich das verändert hat. wir haben über cyberfeminismus geredet. es nicht oft kommt vor, dass man das thema kenntnisreich mit einem mann besprechen kann. das ist eigentlich immer nett, unvermutet jemanden kennenzulernen, mit dem/der man reden kann. in den momenten lohnen sich so festivals.

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